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Ein Monat Auwiesen

In der Filiale herrscht Abbaustimmung. Mit dem Ende des Festivals der Regionen lassen Radio FRO und Stadtwerkstatt ihre Zweigstelle in Auwiesen auf und ziehen zur√ľck ins angestammte Zentrum, nach Alt-Urfahr Ost. Wolfgang Schmutz bat Daniela F√ľrst, Olivia Sch√ľtz und Margit Grein√∂cker zum Res√ľmee.

Filiale: Die Filiale war jetzt mehr als drei Wochen vor Ort in Auwiesen und zudem auch schon im Vorfeld des Festivals präsent. Eines der Projektziele war es ja, dem Stadtteil medial näher zu kommen und die BewohnerInnen vice versa an Medien heranzubringen. Wie fällt eine erste Bilanz der Radioarbeit von FRO aus?

Daniela F√ľrst: Wir haben festgestellt, dass es zu Beginn relativ schwierig war, Kontakte zu finden. Die klassischen Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche haben wir schneller erreicht. Aber unterm Strich, wenn man sich das Programm anschaut, und die Sendungen die zustande gekommen sind, haben wir eigentlich extrem gute Inhalte gefunden. Wir haben es teilweise wirklich sehr gut geschafft, mit den Leuten, den AuwiesenerInnen, Sendungen zu machen. Diejenigen die sich dazu bereit erkl√§rt haben, haben das dann auch wirklich gerne gemacht. Unser Ziel, mit AuwiesenerInnen √ľber Auwiesen Sendungen, Radio zu produzieren, hat eigentlich sehr gut funktioniert.

Filiale: Kannst du ein Beispiel f√ľr besonders gut gelungene Partizipation geben, ein Sendeformat, das besonders erfolgreich war?

DF: Zum einen waren die Workshops recht erfolgreich, wir haben sogar mehr Workshops gemacht als geplant waren, vorwiegend mit Jugendlichen, mit Kindern, mit Schulklassen, mit Pfadfindern. Da war der Zuspruch recht groß. Zweitens haben wir in der FROzine einige Diskussionsrunden zustande gebracht, gerade zum Thema partizipative Stadteilarbeit oder zum Thema Integration. Da waren sehr viele und sehr unterschiedliche Gäste im Studio. Diese Sendungen sind inhaltlich wirklich sehr spannend geworden.

Filiale: Glaubst du, dass die TeilnehmerInnen empfunden haben, dass Radio ein gutes Medium w√§re um selche Diskussionen durchzuf√ľhren, solche Themen zu verhandeln?

Ich glaube teilweise war es f√ľr die Teilnehmer auch schwierig. In der Sendung zur Stadtteilarbeit war zum Beispiel ein Vertreter der GWG (st√§dtische Wohnungsgenossenschaft, Anm.) da. Der ist in der Sendung mit Fragen konfrontiert worden, denen er sich normalerweise nicht stellen muss. W√§hrend umgekehrt, die Anwohnerin , die diese Fragen gestellt hat, wirklich die Chance genutzt hat, auf diese art und Weise eine andere Pr√§senz zu bekommen, eine andere Aufmerksamkeit von Aufmerksamkeit.

Filiale: Auf die Veranstaltungen in der Filiale und um sie herum umgelegt, wie stark war der Publikumszuspruch bei Konzerten, Lesungen und Screenings? Wir war die Resonanz auf diese Art von Kulturveranstaltungen vor Ort?

Olivia Sch√ľtz: Das war total unterschiedlich. Wir haben im Vorfeld gesagt, dass wir diese Veranstaltungsformate in Auwiesen einmal ausprobieren, und haben daf√ľr eben die Goldene Rose (benachbartes China-Restaurant, Anm.) ausgew√§hlt. Ich denke, dass da einige Faktoren zusammengespielt haben. Insofern es die Musikstile betrifft, war es auch einmal ein Testlauf, was in Auwiesen ankommt. Im Sinne des Projekts, der Verlagerung des Stadtwerkstatt-Programms nach Auwiesen, haben wir einmal ‚Äěunsere‚Äú Veranstaltungen gebucht, und in Auwiesen das gemacht, was wir sonst in Urfahr machen. Das hat nat√ľrlich unterschiedlichen Zuspruch gefunden, was wom√∂glich auch mit der Location zusammenh√§ngen k√∂nnte. Die Goldene Rose ist ein Ort, wo normalerweise keine Veranstaltungen stattfinden, ein unbelegter Ort sozusagen. Dort dann die Leute hinzubringen ist sicher einfach auch ein Risiko. Die Konzerte waren in Summe nicht so massiv besucht.‚Ä®W√§hrend die Diskussionsveranstaltung, die die Stwst im Volkshaus durchgef√ľhrt hat, wirklich sehr gut besucht war, das hat uns echt √ľberrascht. Das war sicher auch die Thematik ‚ÄěWie gef√§hrlich ist Auwiesen‚Äú, was ja auch ein provozierender Titel war. Die Beteiligung an der Diskussion war zudem auch sehr rege und sehr positiv, finde ich.
Die Workshops die wir gemacht haben, neben den Videoworkshops, haben auch unterschiedlich gut funktioniert. Der Breakdance-Workshop war total gut besucht, wahrscheinlich auch deswegen, weil Silke Grabinger das hier in Auwiesen vor ein paar Jahren schon einmal gemacht hat. Dass heißt, da gab es schon so etwas wie einen persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen. Die haben sich dann gedacht, das ist lässig, da schauen wir wieder hin.

Filiale: Ein Veranstaltungsort etabliert sich ja auch nicht von heute auf morgen. Denkt ihr trotzdem, dass die Filiale in Auwiesen angekommen ist, sich hier verorten hat können? Welche Resonanzen abgesehen von der Teilnahme und dem Veranstaltungsbesuch hat es auf das Projekt gegeben?

DF: Ich habe den Eindruck, dass von der Resonanz her echt das ganze Spektrum dabei war. Angefangen von ganz klarer Ablehnung, √ľber Ignoranz bis hin zu Neugier, Interesse, Zustimmung und teilweise auch Enthusiasmus. Es hat wirklich jegliche Reaktion gegeben. Was ja gut ist, weil Ablehnung ja auch eine Botschaft ist. Wir haben jedenfalls gemerkt, wie wichtig bei der Resonanz auch war, wer unsere Inhalte vermittelt. Wir haben ganz viel √ľber den Michael Url gemacht, der ja bis vor kurzem in Auwiesen gewohnt hat und hier aufgewachsen ist, und hier die Strukturen und die Leute alle kennt. Ohne ihn h√§tten wir es nicht soweit geschafft. Mit ihm als Kontaktperson war die Ablehnung gleich wesentlich geringer.

OS: Ich denke, das hat √ľberhaupt mit dem Vor-Ort-Sein zu tun, mit einer gewissen Pr√§senz, die bei diesem Projekt im Vergleich mit anderen ja besonders langfristig war. Man ist einfach da, man kennt die Gesichter langsam, man hat sich schon einmal unterhalten. Dadurch kommen die Leute auch wieder, sprechen einen an und erz√§hlen neue Geschichten. Und das hat extrem viel mit dem Stationiert sein zu tun und damit, wie man auf die Leute zugeht. Das ist ja auch ein √úbungsfeld.

DF: Ja, aber eigentlich auch das Gegenteilige. Wir haben auch gemerkt, dass wir zum Beispiel den Stammg√§sten in der Goldenen Rose echt schon auf die Nerven gehen. Die sind mit jedem Tag mehr und mehr von unserer Anwesenheit gest√∂rt. In ihrem Feld. Das ist zwar nur ein ganz winziger usschnitt, aber eben einer genau vor unserer T√ľr und das haben wir deswegen auch mehr mitbekommen.

OS: Wobei das ja auch am Stammtisch zu Diskussionen gef√ľhrt hat. Etwa als wir das erste Konzert in der Goldenen Rose gemacht haben, dass dann durchaus Streitgespr√§ch passieren und zwei, drei Leute auch gesagt haben: Wenn es euch zu laut ist, dann geht‚Äôs halt einfach nachhause. Da kommt ja dann auch etwas in die G√§nge.

Filiale: Ich nehme an, das ist ja auch f√ľr beide Institutionen, FRO und Stwst, eine Art von Feedback, eine Situation, die man schon l√§nger nicht mehr gehabt hat, oder? Der Standort Kirchengasse ist ja etabliert, das Publikum schon ein Stammpublikum.

DF: Das stimmt. Vor allem beschr√§nkt sich bei FRO der Kontakt auf die ohnehin schon Programmmachenden. In Auwiesen waren wir wieder einmal damit konfrontiert, die Leute zu suchen, sie zum Mitmachen einzuladen und die Studiot√ľren wirklich zu √∂ffnen. Das idt halt nicht immer einfach und man muss einiges aushalten. Wenn es aber dann funktioniert ist zum einen das Erfolgserlebnis gr√∂√üer und zum anderen merkt man auch, dass das dann inhaltlich gleich ganz etwas anderes ist. Es war zwar durchaus durchwachsen, aber unterm Strich kann selbst das dann positiv werten.

OS: Zum Standort noch etwas. Die Tatsache, dass der VSG hier mit eingezogen ist, hat uns sicher auch vor Ort bekannter gemacht. Die innovative Stadteilarbeit hat kommuniziert, dass sie jetzt vor Ort ist und zwar gemeinsam mit Stwst und Radio FRO. Das hat uns sicher geholfen.

Filiale: Wie haben generell vor Ort vorhandene Institutionen auf euch reagiert, mit euch interagiert? Ich denke da etwa auch an die Pfarre oder an den Jugendclub.

DF: Mit den Institutionen ist es uns sehr gut gegangen. Die nutzen die Gelegenheit erfahrungsgem√§√ü dazu, um sich zu repr√§sentieren, seien es jetzt Vereine wie die Naturfreunde oder die Pfadfinder. Auch der benachbarte Jugendclub hat das Radio dazu genutzt, um auf sein Angebot an Probenr√§umen aufmerksam zu machen. Das hat, denke ich, sehr gut funktioniert. Aber gerade das Stadteilb√ľro hat glaube ich auch von unseren Erfahrungen profitiert. Der VSG ist immerhin gleichzeitig mit uns eingezogen und hat genauso wenig √ľber Auwiesen gewusst wie wir. Also zum Teil waren wir so ein bisschen ein teilnehmendes Beobachtungsfeld f√ľr sie.

OS: Genau. Wir haben auch Dinge erprobt, die der VSG jetzt in der Planung ausarbeitet und auch machen wird. Wir haben z.B. unseren Satelliten in der Grube aufgebaut. Danach hat es Gespräche gegeben, wie es dort so angenommen worden ist, wie haben die AnrainerInnen dort reagiert. Der VSG hat jetzt im Sommer ja auch ein Projekt dort vor (siehe Interview mit Karin Mezgolich).

Filiale: Man ist also in der Vorbereitung und in der Arbeit vor Ort auf Problemfelder gestoßen, die jetzt auch im Fokus der Stadteilarbeit liegen?

DF: Auf jeden Fall. Es hat sich f√ľr den VSG sicher einiges an Punkten erschlossen, an denen die Stadtteilarbeit jetzt ganz konkret anschlie√üen kann.

Filiale: Bez√ľglich der Resonanz vor Ort gibt es ja eine sensationelle Zahl. Das sind die √ľber 3000 Eintr√§ge ‚Ķ

OS: 3394!

Filiale: ‚Ķ ins Public Diary, an der R√ľckseite der Filiale. Wie hat sich dieser Teil des gesamten Projektes aus der Sicht der Stwst entwickelt bzw. wie kam es zu dieser Frequenz?

OS: Dass das so stark frequentiert wird, haben wir uns eigentlich nicht gedacht. Die √úberlegung war, die Filiale mit einer installativen Arbeit zu belegen. Im Sinne einer Medienbotschaft wollten wir einen m√∂glichst niederschwelligen Zugang schaffen. Grunds√§tzlich ist ja gleich nebenan das Jugendzentrum, d.h. der √∂ffentliche Raum ist hier stark frequentiert, auch die AnwohnerInnen kommen hier am Weg zum Einkauf vorbei. Ich denke, es war vor allem die spielerische Art und Weise der Installation die einfach angesteckt und angezogen hat. Es ist auch richtiggehend ausgetestet geworden, durch lautes Reinschreien etwa, oder man hat Handymusik laufen lassen. Bis zum Trommeln auf der Fensterscheibe, also quasi der Ben√ľtzung als Instrument, reicht das Spektrum der Eintr√§ge.

DF: Ich glaube, das solche Dinge aber gerade auch deswegen gut funktionieren, weil sie unkontrolliert sind, weil wir nicht dabei sind. Das ist glaube ich ganz wichtig. Sobald sich die Ben√ľtzer dabei beobachtet f√ľhlen, verliert das sofort an Reiz.

OS: Wenn ich nachschauen gegangen bin, was sich beim Public Diary so tut. Wenn ich entdeckt worden bin, sind die Kids dann sofort weggerannt. Es ist ja auch so ein bisschen ein Selbstdarstellungsfenster, wo man sich auspinnen kann.

Filiale: Das Spektrum der Einträge ist ja durchaus ein breites. Wie soll es mit dem gesammelten Material des Public Diary weitergehen? Gibt es Ideen das Material zu erschließen und erkundbar zu machen, auch nach dem Festival.

OS: Das ist gerade in Planung. Wir wollen das Material, sobald wir es zur G√§nze gesichtet haben, was noch eine Weile dauern wird, in zwei Schienen weiterbearbeiten. Auf der einen Seite k√ľnstlerisch, durch drei Videok√ľnstlerinnen, denen wir das Material hinsichtlich festgelegter Schwerpunkte zur Verf√ľgung stellen werden. Auf der anderen Seite wird es so eine Art Datenbank geben, wo nachvollziehbar wird, was am √∂ftesten gesagt worden ist, zu welcher Tageszeit waren welche Leute vor Ort, welche Sprache wurde benutzt, welcher Habitus.

DF: Werdet ihr die Ergebnisse auch an die Stadteilarbeit weitergeben?

OS: Das werden wir sicher machen. Gerhard Dirmoser hat auch Interesse da mitzuarbeiten. Morgen Abend haben wir schon ein Projektreffen dazu. Man braucht eben dazu auch ein Tool, in das man Eingaben machen kann und das dann auch mit Schlagworten ausgewiesen wird.

Filiale: Das Public Diary war ja sozusagen etwas ziemlich barrierefreies. Andere Barrieren, in die Gegenrichtung, hat es aber durchaus gegeben. Bei den Veranstaltungen ist die Filiale ja mitunter lärmtechnisch an ihre Grenzen gestoßen, Stichwort Konzerte in der Goldenen Rose. In der Tiefgarage haben jedoch DJ und Breakdance-Workshop wunderbar und friktionsfrei funktioniert. Wie viel Lärm verträgt Auwiesen? Fehlt es an Orten der Ausgelassenheit?

DF: Ich glaube Auwiesen hat da einen Sonderstatus. Auf der einen Seite diese absolute Idylle, wo einem schon das Vogelgezwitscher in den Ohren weh tut, weil es der einzige L√§rm ist , auf der anderen Seite die schreienden Jugendlichen und Kinder auf Spielpl√§tzen, das sind hier einfach extreme Gegenpole. Ich glaube weniger, dass es darum geht, wieviel L√§rm Auwiesen an gewissen Pl√§tzen vertr√§gt, sondern die Frage ist, wie bringt man diese verschiedene sozialen Altersgruppen so zueinander, dass das ganze konfliktfreier passiert. E braucht aber sicher Pl√§tze, wo die diversen Gruppen unter sich sind. Seien es Lokale wo Jugendliche oder M√ľtter mit Kindern hingehen k√∂nnen. Im √∂ffentlichen Raum ist das hier ziemlich schwierig.

OS: Auch im Jugendclub darf auch nur eine gewisse Anzahl an Jugendlichen in die Discoräume hinunter. Es wir schon alles ziemlich stark reglementiert, sicherlich aufgrund von gewissen Erfahrungswerten. Dass es auf Spielplätzen laut ist, ist ja auch klar. Ich denke trotzdem, es fehlt an gewissen Räumen wo die Post abgehen kann. Es ist ja wirklich fad hier, und es gibt auch nichts entsprechendes in Auwiesen.

DF: Die Parks werden ja auch von gewissen Leuten st√§rker benutzt und die glauben dann, einen gewissen gestalterischen Anspruch zu haben. Und wenn das dann durchbrochen wird, weil beispielsweise die Kinder nicht mehr am Spielplatz in der Sandkiste sondern auf der Wiese im park speilen, dann nervt das die anderen, die √ľblicherweise auf den Bankerln herumsitzen. Das ist dann ein Frage der Toleranz, und an der scheitert hier vieles. Das ist aber grunds√§tzlich nichts Spezifisches f√ľr Auwiesen.

Filiale: Die Konflikte ergeben sich ja aber auch aufgrund gewisser baulichen Strukturen hier …

DF: Wahrscheinlich. Diese Idylle und diese bewusste bauliche Lärmfreiheit, etwa keine Durchzugsstraßen zu haben, tragen dazu sicher bei.

Filiale: Haben sich f√ľr euch vorher vorhandene Blickwinkel auf Auwiesen ger√§ndert? Oder wurden manche Vorurteile auch best√§tigt?

DF: Ge√§ndert hat sich gleich beim ersten Besuch die Haltung zum Linzer S√ľden. F√ľr mich war immer klar, da will ich nie im Leben wohnen, da will nicht einmal aufgezeichnet sein. Dann kommt man aber hierher und erlebt diese naturnahe Umgebung, die Au in unmittelbare N√§he ist ja wundersch√∂n. Insofern war ich positiv √ľberrascht von Auwiesen, von einer durchaus hohen Wohnqualit√§t, wenn man eben entsprechende Anforderungen hat. Best√§tigt hat sich f√ľr mich einfach wieder einmal, auch wenn das nichts Auwiesenspezifisches ist, wie derma√üen intolerant Leute sind, nur weil sie Teil einer Mehrheitsgesellschaft sind. Da wird das Konfliktpotenzial dann ungleich h√∂her. Und die Medien haben es im Fall von Auwiesen wirklich geschafft, dass einerseits das Image des Stadtteils extremen Schaden genommen hat und anderseits das Wohnklima hier sehr von Unsicherheit gepr√§gt ist.

Filiale: Das heißt, die Medienberichterstattung ist angekommen?

DF: Sie ist angekommen und hat leider Gottes fruchtbaren Boden gefunden und hat sich multipliziert, im Sinn der Verunsicherung.

Filiale: Wenn man jetzt etwas Negatives √ľber Auwiesen schreibt, stimmt das dann sogar.

DF: Da findet man jetzt garantiert jemanden, der das bestätigt, hundertprozentig.

Filiale: Wie war das bei dir, Olivia?

OS: Also ich habe eigentlich keine bestimmten Vorurteile gegen√ľber Auwiesen gehabt, ich war schon vorher einige Male hier und habe mir schon immer gedacht, dass das eigentlich eine Gartenstadt ist. Dass die rei√üerischen √úberschriften in der Rundschau nicht der Wahrheit entsprechen, war f√ľr mich klar. Man liest das dann auch reflexiver und denkt sich, okay, jetzt braucht man eben wieder einen Stadtteil auf den man hinpecken kann.
Nat√ľrlich sp√ľrt man gewisse Dinge vor Ort noch differenzierter, beispielsweise das Selbstverst√§ndnis als Satellit. Die Leute fahren zum Einkaufen lieber noch weiter hinaus, in die Einkaufszentren und nicht ins Zentrum.

DF: Ja deswegen wird ja jetzt auch die Straßenbahnlinie 1 in die Plus City verlängert. Der Wunsch wurde erhört!

Filiale: Zur Frage der Nachhaltigkeit, die ja im Kulturbereich immer eine gef√§hrliche ist, weil das Tempor√§re seine Berechtigung verliert. Dennoch: In der Vergangenheit war es ja gerade bei Radio FRO so, dass nach so manchem Festival der Regionen, die Radioarbeit vor Ort verankert blieb. Ein eigener Sender wird jetzt im Linzer Stadtgebiet nat√ľrlich nicht bleiben, aber wie sieht es bez√ľglich einer Einbindung in das zuk√ľnftige Radio FRO-Programm aus?

DF: Es hat sich auf jeden Fall gezeigt, dass wir kein Stadtradio im Sinn der Stadtteile sind, sondern eher dem kulturellen Bild der Stadt entsprechen, also die Stadt ist das Zentrum. Das ist bei uns das Gleiche, sowohl inhaltlich als auch von der Reichweite her. Hier in Auwiesen hat uns so gut wie keiner gekannt. Die Menschen vor Ort waren eher irritiert, dass es so etwas wie uns gibt, und das schon seit zehn Jahren! Wir haben gemerkt, dass wir die Peripherie theoretisch mit der Frequenz erreichen, aber mit dem Programm eigentlich nicht.
Ein Ergebnis der Arbeit in Auwiesen wird aber sicher sein, dass die Vereine vor Ort die Gelegenheit n√ľtzen werden, auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen oder eine Sendung zu einem Thema zu machen. Ich denke auch, dass die Schulen ‚ÄěBlut geleckt haben‚Äú und vielleicht neue WorkshopteilnehmerInnen dabei herauskommen werden. In dieser Richtung war es sicher ein Erfolg.

Filiale: Auch die Stadtwerkstatt hat sich ja programmatisch in den S√ľden begeben. Wie sehen die Lehren aus dem Projekt nun aus? Hat man ein neues Publikum gefunden, bzw. kann und soll man andererseits bestimmte Stadtteile mehr einbeziehen?

OS: Ich denke, dass sich in beide Richtungen etwas bewegt hat. Der VSG hat beispielsweise schon angefragt, ob Margit Greinöcker nicht bei einem Projekt mit der Videokamera dabei sein könnte …

Margit Grein√∂cker (klinkt sich ins Gespr√§ch ein): ‚Ķ es gab aber auch Anfragen, ob die Stwst nicht auch einmal ein Fest vor Ort machen k√∂nnte. Es gibt hier √ľberhaupt viele Leute, die hoffen, das wer von au√üen etwas macht. Selbst die Initiative zu ergreifen, da fehlt den meisten dann das KnowHow, weil ja auch ein Fest Organisation bedeutet.

DF: Ich glaube, das hat auch etwas mit dem √úbernehmen von Verantwortung zu tun. Wenn das jemand von hier ist, kriegt er schneller eins √ľber den Deckel, bei jemandem von au√üen ist das einfacher.

MG: F√ľr alle Beteiligten!

Filiale: Die Frage, ob sich gewisse Institutionen auch eine Weiterarbeit der Stwst w√ľnschen, ist damit ja wahrscheinlich auch schon beantwortet.

OS: Tom Dautovic (VSG) hat eben gesagt, er w√ľrde sich w√ľnschen, dass es in Auwiesen auch eine Stadtwerkstatt gibt, im Sinne von Entwicklung und Initiative, ein l√§ngerfristiges Projekt also.

Filiale: Also ein kulturelles Grundangebot. Glaubt ihr, dass die trotzdem relativ kurze Phase vor Ort ausreichend, um den Nerv daf√ľr zu kitzeln?

DF: Die ohnehin schon Initiativen, die MultiplikatorInnen, die es hier gibt, die haben vorher auch schon agiert und werden das auch weiterhin machen. Die brauchen uns eigentlich nicht …

OS: Obwohl die uns dann aber schon brauchen, um ihre Inhalte zu transportieren. Ich glaube, das Spektrum hat sich ja auch beispielsweise durch die Möglichkeit, eine Radiosendung zu machen, durchaus erweitert.

DF: Das schon, der Handlungsradius hat sich sicher erweitert. Aber dass sie jetzt mehr auf die Beine stellen als vorher, glaube ich nicht. Eher vielleicht jene, die sich das nicht zugetraut haben und jetzt durch neue Kontakte zu Einzelnen von uns auch mit uns etwas machen wollen. Ich denke, die Irritation haben wir sicher geschafft.

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